„Der edle Wettkampf der Barmherzigkeit“. Konfessionen in den nord-, west- und mitteleuropäischen Sozialsystemen im langen 19. Jahrhundert. Trier: Teilprojekt B7 ‚Armenfürsorge und katholische Identität‘, SFB 600 ‚Fremdheit und Armut. Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen von der Antike bis zur Gegenwart‘, Universität Trier; Katholische Akademie Trier; Diözesan-Caritasverband Trier, 30.06.2011-02.07.2011.
Reviewed by Michaela Maurer
Published on H-Soz-u-Kult (October, 2011)
„Der edle Wettkampf der Barmherzigkeit“. Konfessionen in den nord-, west- und mitteleuropäischen Sozialsystemen im langen 19. Jahrhundert
Vor dem Hintergrund eines wachsenden Interesses für die religiösen Wurzeln der divergierenden Sozialstaatsmodelle diskutierten 22 Forscher und Forscherinnen in international vergleichender Perspektive die Bedeutung der christlichen Konfessionen für die Entstehung des Sozialstaats. Sie gingen dabei speziell der Frage nach, ob im 19. Jahrhundert jener von Wilhelm Emmanuel von Ketteler 1848 ausgerufene ‚edle Wettkampf der Barmherzigkeit‘ zwischen katholischen Initiativen einerseits und kommunal-staatlichen, säkular-philanthropischen und protestantischen Fürsorgebemühungen andererseits stattfand. Ein eigenes Augenmerk richtete die Tagung auf die Rolle der Frauen für den Wettbewerb im sozialen Bereich.
Nach einleitenden Worten von BERNHARD SCHNEIDER (Trier), dem Initiator der Tagung, griff die erste Sektion mit dem Thema ‚Semantiken und Diskurse‘ ein lange Zeit vernachlässigtes Feld der historischen Armutsforschung auf. WILFRIED RUDLOFF (Kassel) betrachtete die Wahrnehmung des sozialen Wirkens der Konfessionen in den ‚profanen Diskursen‘. In den armenpolitischen Leitdebatten sei die konfessionelle Wohltätigkeit aufgrund ihres Eigensinns zunehmend als problematisch bewertet worden. Die private Armenfürsorge sollte eine unterstützende Funktion für die öffentliche Armenpflege übernehmen. Auf der Diskursebene der bürgerlichen Armenpolitiker und -reformer behielte die konfessionelle Wohltätigkeit ihre grundsätzliche Daseinsberechtigung. Je mehr sich allerdings eine rein sozialpolitische Rationalität armenfürsorgerischen Handelns ausprägte, konnte die konfessionelle Fürsorge als Behinderung wahrgenommen werden. Nach Rudloff entstanden auf der Ebene der lokalen Kontexte ungeachtet des auf Arbeitsteilung gestimmten Grundtons der armenpolitischen Leitdebatten in stärkerem Maße Konflikte.
Die Beiträge von MICHAELA MAURER und INGMAR FRANZ (beide Trier) nahmen den katholischen Armutsdiskurs in den Blick. Wie Michaela Maurer für die katholischen Verkündigungstexte und Ingmar Franz für die katholische Publizistik zeigen konnten, herrschte in diesen Quellengruppen eine traditionelle Deutung von Armut vor. Armut sei als eine im göttlichen Heilsplan vorgesehene und bleibende gesellschaftliche Realität beschrieben worden. Maurer und Franz zeigten auf, dass Armenfürsorge auf eine Linderung der Not abzielte und nach Ansicht der aufklärerischen Autoren durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche gewährleistet werden sollte. In den ultramontanen Verkündigungs- und Pressetexten hingegen sei verstärkt die Bedeutung katholischer Fürsorgeinstitutionen wie der Vinzenzvereine oder der Barmherzigen Schwestern betont und das freie Wirken einer durch den Staat unterstützten katholischen Wohltätigkeit gefordert worden. Diese Perspektive war nach Meinung der Referenten besonders in den publizistischen Quellen präsent.
THOMAS KUHN (Greifswald) stellte die komplexen protestantischen Diskurse vor. In der evangelischen Publizistik zur Frage der Armenfürsorge spielte der konfessionelle Wettbewerb nur eine untergeordnete Rolle. Als dominant wertete Kuhn binnenprotestantische Konflikte, die von politischen Interessen geleitet wurden. Als weiteres Feld nannte er die pastorale Volksaufklärung. Hier entwickelten die Pfarrer unabhängig von konfessionellen Differenzen ökonomische Modelle sozialer Hilfe, die sich primär als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden. In der süddeutschen Erweckungsbewegung wurde nach Kuhn das soziale Handeln als notwendiger Teil einer auf das kommende Reich Gottes ausgerichteten Inneren Mission verstanden.
Die zweite Sektion der Tagung widmete sich den Handlungsfeldern sozialer Arbeit in der offenen wie geschlossenen Armen- und Krankenfürsorge. CHRISTIAN SCHRÖDER (Trier) verglich die Entwicklungen des katholischen Fürsorgewesens im südlichen Großherzogtum Baden und im Saargebiet. In Baden übernahmen, so Schröder, die Pfarrer als Leiter der Stiftungsvorstände eine wichtige Aufgabe in der öffentlichen Armenfürsorge oder gründeten auch private Hilfsinitiativen, die sich insbesondere dem Erziehungswesen widmeten. In dem von der katholischen Aufklärung geprägten Südbaden sei im Gegensatz zum Saargebiet eine stärkere konfessionelle Offenheit wahrzunehmen gewesen. So habe es im saarländischen Untersuchungsraum trotz der Mitarbeit mancher Pfarrer in öffentlichen Armenkommissionen häufig Bemühungen um ausdrücklich katholische Fürsorgeinstitutionen gegeben. Diese sollten weitestgehend von einer staatlichen Einflussnahme unabhängig sein. Außerdem engagierten sich im Saargebiet im Vergleich zu Baden eine größere Anzahl katholischer Laien in der Armenfürsorge. Als Gemeinsamkeiten der beiden Regionen ist nach den Ausführungen Schröders beispielsweise der Einsatz für die Ansiedelung des Krankenpflegeordens der Barmherzigen Schwestern zu nennen.
Konkreten Fürsorgeinstitutionen widmeten sich die beiden nächsten Vorträge dieser Sektion. ANDREAS HENKELMANN (Bochum) stellte das Feld der katholischen Kinderfürsorge am Beispiel des Seraphischen Liebeswerkes vor. Der 1889 gegründete katholische Erziehungsverein sorgte sich an erster Stelle um das Seelenheil der Minderjährigen. Dementsprechend bemühte sich der Verein auch um die Kinder aus Mischehen, deren katholische Erziehung gefährdet schien. Nach Henkelmann kann der Wettkampf zwischen Caritas und Innerer Mission im Bereich der Kinderfürsorge mit Blick auf die häufig feindselige Atmosphäre der Auseinandersetzungen nicht als ‚edel‘ bezeichnet werden. Um 1900 habe dann eine langsame Einbindung des Seraphischen Liebeswerkes in den dualen Wohlfahrtsstaat begonnen.
Einer zweiten Gruppe von Fürsorgeempfängern widmete sich der Beitrag BEATE ALTHAMMERS (Trier). Sie stellte die ab den 1880er Jahren einsetzende Wandererfürsorge vor, welche sich der auf der Suche nach Arbeit umherziehenden Männer annahm. Am Beispiel des ‚Rheinischen Vereins wider die Vagabundennoth‘ zeigte Althammer auf, dass die Wandererfürsorge im Gegensatz zur verbreiteten Forschungsmeinung ursprünglich keine rein protestantische Initiative war, sondern überkonfessionell angelegt war. Allerdings sei die konfessionelle Zusammenarbeit rasch zerbrochen und es seien konfessionell getrennte Vereinigungen enstanden. Nach Althammer wurde die Wandererfürsorge auf Dauer ein vom Protestantismus beherrschtes Feld.
KARL GABRIEL (Münster) beschrieb in seinem öffentlichen Vortrag die Bedeutung von Caritas/Diakonie für die aktuellen Entwicklungen des Sozialstaats. Unter Berücksichtigung der historischen Ursprünge im 19. Jahrhundert stellte er die beiden großen Sozialverbände als ‚Dritt-Sektor-Organisationen‘ dar, die sich von den staatlichen Institutionen einerseits wie von gewinnorientierten Marktakteuren andererseits unterscheiden. Im sozialen Raum zwischen Familie, Staat und Markt seien Caritas und Diakonie heute herausgefordert, sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung des deutschen Sozialmodells der Pluralität und des sozialen Ausgleichs einzusetzen. Gefährlich werde ihnen aktuell nicht der Staat, sondern der Markt.
Während die ersten Vorträge der Sektion ‚Offene und geschlossene Armenfürsorge‘ auf Deutschland ausgerichtet waren, stellte RUPERT KLIEBER (Wien) das konfessionelle Fürsorgewesen der Habsburgermonarchie vor. Er zeigte, dass dort in allen Religionsgemeinschaften spezifische Formen wohltätigen Handelns vorhanden waren, die ohne größere Konflikte behördlich geordnet nebeneinander bestanden. Klieber konstatierte daher, dass eine Atmosphäre der gegenseitigen Inspiration und nicht der Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Fürsorgeinitiativen existierte.
CATHERINE MAURER (Straßburg) untersuchte die Stellung des katholischen Armenfürsorgewesens in französischen Städten. Die Referentin erläuterte, dass die kommunalen Verwaltungen meistens mit den privaten, in erster Linie katholischen Initiativen, zusammenarbeiteten und beispielsweise katholisches Personal einsetzten. Trotz laizistischer und republikanischer Bestrebungen, welche vereinzelt Konflikte zwischen den Fürsorgeträgern auslösten, blieben die Hilfsmaßnahmen in den französischen Städten noch an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf Grund gegenseitiger Abhängigkeiten von einem Klima der Zusammenarbeit geprägt.
JAN DE MAEYER und LEEN VAN MOLLE (beide Löwen) stellten die Entwicklungen in Belgien vor. Sie konstatierten – anders als im Schulbereich – eine im Großen und Ganzen bis zum Ersten Weltkrieg funktionierende Zusammenarbeit zwischen den kirchlichen und staatlichen Fürsorgemaßnahmen. Dank der ‚belgischen Freiheit‘ etablierten sich demnach zahlreiche karitative katholische Institutionen (Krankenpflegeorden; Vinzenzvereine), die neben dem Engagement in den öffentlichen Fürsorgeinstitutionen auch eigene katholische Einrichtungen ermöglichten. Rein philanthropische Initiativen blieben bescheiden. Parallel sei es zu einer Politisierung der Sozialen Frage, d.h. zu konkurrierenden sozialpolitischen Reformkonzepten gekommen. Nach 1886 mehrten sich staatliche Interventionen.
FRANCES KNIGHT (Nottingham) beschäftigte sich mit den Veränderungen des Armenfürsorgesystems in England, vor allem mit dem 1834 verabschiedeten ‚New Poor Law‘. Mit ihm erfolgte eine Neuordnung der öffentlichen Armenpflege, welche die Verantwortlichkeit der Pfarrer für die Armenfürsorge reduzierte und das traditionelle religiöse Verständnis eines Bandes zwischen den Reichen und Armen aufgab. Der Empfang von Unterstützungsleistungen wurde erschwert, die Unterscheidung zwischen würdigen und unwürdigen Armen betont und die verpflichtende Einweisung arbeitsfähiger Bedürftiger in staatliche Arbeitshäuser vorgeschrieben.
Nach der Beschreibung der Verhältnisse in England richtete sich der Blick auf Irland. DAIRE KEOGH (Dublin) kennzeichnete die Auseinandersetzungen im Bereich der Armenfürsorge als Austragungsort eines konfessionellen Krieges. Aufgrund des historisch bedingten Fehlens einer Armenfürsorgegesetzgebung (bis zur Gesetzgebung von 1838) und der religiösen Rivalitäten entwickelte sich lange kein funktionierendes öffentliches Armenfürsorgesystem, dagegen diverse miteinander konkurrierende konfessionelle Aktivitäten. Die katholische Kirche der Bevölkerungsmehrheit konnte nach Keogh zunächst nur eine geringe karitative Infrastruktur aufbauen. Trotz erreichter Verbesserungen scheiterte die irische Armenfürsorge, wie die Hungerkrise der Jahre 1845 bis 1850 belegt, in der eine Million Menschen starben. Keogh betonte, dass sich in ihr auch konfessionell divergierende Wahrnehmungsmuster von ‚Armut‘ zeigten. Beschleunigt sei nun der Ausbau katholischer Armenfürsorgeinstitutionen betrieben worden.
Im letzten Vortrag der Sektion betrachtete LISELOTTE MALMGART (Aarhus) das christliche Fürsorgewesen in Dänemark und Schweden. Sie betonte, dass ungeachtet der geringen Verbreitung des Katholizismus in diesen Ländern katholische Wohltätigkeitsinstitutionen insbesondere in Gestalt der Krankenpflegeorden eine wichtige Rolle spielten. Trotz einzelner Konflikte könne man in Skandinavien nicht von einem konfessionellen Wettbewerb, sondern eher von einem Wettbewerb zwischen den verschiedenen Formen der Hilfe sprechen. Ende des 19. Jahrhunderts setzte vermehrt ein wissenschaftlicher Diskurs über Armenfürsorgekonzepte ein, der die christlichen Maßnahmen individueller Fürsorge kritisch bewertete.
Die dritte Sektion der Tagung beschäftigte sich mit dem Themenfeld Armenfürsorge und Genderfrage. Den Anfang machte UTE GAUSE (Bochum) mit ihrem Referat zu den Entwicklungen im deutschsprachigen Protestantismus. Am Beispiel der Kaiserswerther Diakonissen zeigte sie auf, dass ein Idealbild karitativ tätiger Frauen konstruiert wurde. Nach Theodor Fliedner, dem Gründer der Kaiserswerther Diakonie, war die Frau im Besonderen zum Dienst am Nächsten berufen. Gause stellte heraus, dass anders als von Fliedner vorgesehen, der Beruf der Diakonisse kaum von bürgerlichen Frauen, sondern vor allem von Frauen aus den mittleren und unteren Schichten angestrebt wurde. Auch wenn sich die Diakonissen dem Idealbild entsprechend im paternalistischen System den Männern unterordnen sollten, hatten sie nach Gause durch ihre Arbeit in Bezug auf die Armen eine autoritative Funktion. Als Pflegerinnen und Erzieherinnen verteilten sie nicht nur die Gaben, sondern achteten auch auf deren ordnungsgemäße Verwendung.
MICHAELA SOHN-KRONTHALER (Graz) ging derselben Fragestellung in Bezug auf den deutschsprachigen Katholizismus nach. Im katholischen Armutsdiskurs konnte sie keine generellen geschlechtsspezifischen Zuordnungen feststellen. Eine Ausnahme bilden nach den Ausführungen Sohn-Kronthalers Texte, die einen geschlechtsspezifischen Adressatenkreis voraussetzen. Hier werde die Armenfürsorge als besondere Aufgabe der sich durch Liebe und Zartgefühl auszeichnenden Frauen beschrieben. Im Hinblick auf die praktische Armenfürsorge zeigte die Referentin, dass viele Handlungsfelder und die neuen karitativen Genossenschaften von Frauen dominiert wurden. Allerdings seien in Bezug auf die Geschlechterverhältnisse im Vereinswesen keine generalisierenden Aussagen möglich.
YVONNE MARIA WERNER (Lund) richtete im dritten Beitrag dieser Sektion den Blick auf den Protestantismus Skandinaviens. Hier seien zahlreiche wohltätige Initiativen von privaten Frauenvereinen ausgegangen. Die Frauen mussten sich auf Grund der lutherischen Familienideologie dem Misstrauen auf kirchlicher Seite stellen und kennzeichneten ihre Arbeit daher als einen aus den häuslichen Aufgaben erwachsenden Dienst. Insgesamt blieb nach Werner die Diakonie in Skandinavien ein weibliches Betätigungsfeld, auch wenn männliche Diakone in der Arbeit mit Alkoholikern und Straffälligen eingesetzt wurden. Als wichtige Institution der weiblichen Armenfürsorge beschrieb die Referentin außerdem die Heilsarmee.
Im letzten Vortrag standen die Genderfrage und der Wettkampf von christlicher Caritas und staatlicher Wohltätigkeit in Frankreich im Mittelpunkt der Betrachtung. RACHEL FUCHS (Tempe/ USA) betonte, dass staatliche und kirchliche Institutionen im Bereich der Fürsorge für arme Frauen ähnliche Konzepte verfolgten und katholische Orden wie die Barmherzigen Schwestern in öffentlichen Anstalten mitarbeiteten. Als Konfliktpunkt zwischen den beiden Fürsorgeträgern stellte sie die Frage nach dem Recht auf Armenfürsorge heraus. Im frühen 19. Jahrhundert sei der Empfang religiöser Almosengaben von der moralischen Haltung der Frauen abhängig gewesen. Entsprechend der Darstellung Fuchs‘ kritisierten die Befürworter der staatlichen Fürsorgeinstitutionen die vermeintliche Unmoralität zwar ebenso, betonten aber stärker das von der republikanischen Regierung zu gewährleistende Recht mancher Bedürftiger auf Leben. Ab den 1880er Jahren ginge die Fürsorge für arme Frauen von den religiösen Institutionen zunehmend in die Hände weltlicher Armenpfleger über.
BERND KETTERN (Trier) bezog in seinem Kommentar die historischen Entwicklungen auf die aktuelle Caritasarbeit. Die heutige kirchliche Wohltätigkeit zeichne sich durch ein starkes kooperatives Mit- und Nebeneinader aus. Es sei eher von einem Wettbewerb als von einem ‚edlen Wettkampf‘ der Fürsorge zu sprechen.
In seinem Abschlusskommentar hob PHILIP MANOW (Bremen) zunächst die mehrfach beschriebene Zusammenarbeit zwischen den Fürsorgeinstitutionen und ein gegenseitiges Lernen von den kirchlichen und staatlichen Trägern hervor. Ein direkter Wettkampf sei nur dann aufgetreten, wenn der Staat sein Fürsorgesystem neu ordnete und die kirchlichen Institutionen sich dementsprechend positionieren mussten. Die staatlich-kirchliche Zusammenarbeit war nach Manow oft pragmatisch begründet. Manow machte außerdem auf die problematische Unterscheidung zwischen privater und öffentlicher Fürsorge aufmerksam, die auf Grund des konfessionellen Charakters vieler Staaten nicht durchzuhalten sei.
Die Vorträge und Diskussionen zeigten, dass im Bereich der Armenfürsorge komplexe Interaktionen abliefen, die als Wettbewerb, Kooperation und wechselseitige Beobachtungen zu bestimmen sind. Wahrnehmungsmuster, Semantik und auch die konkreten Praktiken mussten sich dabei aber nicht zwangsläufig substanziell unterschieden. Klar erkennbar war konfessionsübergreifend die prominente Rolle der Frauen in der Armenfürsorge. Weiterer Forschungen bedarf die im Moment noch nicht geklärte Frage, ob in der Armenfürsorge ein förmlicher Wettkampf der Geschlechter stattfand.
Konferenzübersicht:
Bernhard Schneider (Trier): Begrüßung und Einführung in die Tagung
Sektion 1: Semantiken und Diskurse
Moderation: Bernhard Schneider (Trier)
Wilfried Rudloff (Kassel): „Profane Diskurse“ um Armut und Armenfürsorge im Deutschen Kaiserreich und ihr Blick auf das soziale Wirken der Konfessionen
Michaela Maurer (Trier): Armut und Soziale Frage in der katholischen Verkündigung deutscher Bischöfe und Prediger zwischen Aufklärung und Kulturkampf
Ingmar Franz (Trier): Katholische Publizistik und die Diskurse um Armut und Soziale Frage bis zum Kulturkampf
Thomas K. Kuhn (Greifswald): Protestantische Diskurse um Armut und Soziale Frage
Sektion 2: Offene und geschlossene Armenfürsorge
Moderation: Michaela Maurer (Trier)
Christian Schröder (Trier): Zur Praxis katholischer Armenfürsorge zwischen Spätaufklärung und Ultramontanismus. Eine vergleichende Regionalstudie
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Andreas Henkelmann (Bochum): Karitative katholische Vereine im Kontext des frühen deutschen Sozialstaats. Das Beispiel der Kinderfürsorge und des Seraphischen Liebeswerks
Beate Althammer (Trier): "Wider die Vagabundennoth". Protestanten, Katholiken und der Aufbau der Wandererfürsorge in Preußen (1880-1914)
Karl Gabriel (Münster): Caritas / Diakonie und der deutsche Sozialstaat im aktuellen Wandel (Öffentlicher Vortrag)
Sektion 2: Offene und geschlossene Armenfürsorge
Moderation: Ingmar Franz (Trier)
Rupert Klieber (Wien): Von der „Mildtätigkeit“ zum sozialpolitischen Engagement. Konfessionelle Antworten auf die Soziale Frage in der Habsburgermonarchie 1848-1918
Catherine Maurer (Straßburg): Das Wirken des sozialen Katholizismus in französischen Städten im 19. Jahrhundert und seine Auseinandersetzung mit kommunal-staatlichen, säkular-philanthropischen und protestantischen Bemühungen
Jan De Maeyer / Leen Van Molle (Löwen): Catholic social work and the competition of charity in 19th century Belgium
Sektion 2: Offene und geschlossene Armenfürsorge
Moderation: Christian Schröder (Trier)
Frances Knight (Nottingham): The changing relationship between poor relief and the parish in nineteenth century Britain
Daire Keogh (Dublin): Poor relief, Catholic emancipation and the competition of charity in 19th century Ireland
Liselotte Malmgart (Aarhus): Christian social work in 19th century Denmark and Sweden – A competition of charity?
Sektion 3: Armenfürsorge und Genderfrage
Moderation: Bernhard Schneider (Trier)
Ute Gause (Bochum): Armenfürsorge und Genderfrage im Protestantismus des deutschsprachigen Raumes
Michaela Sohn-Kronthaler (Graz): Armenfürsorge und Genderfrage im Katholizismus des deutschsprachigen Raumes
Yvonne Maria Werner (Lund): Armenfürsorge und Genderfrage im Protestantismus Skandinaviens
Rachel Fuchs (Tempe/USA): Gender and the Competition of Charity and Welfare in France (with a glance at Britain)
Kommentare und Abschlussdiskussion
Kommentatoren: Philip Manow (Bremen) und Bernd Kettern (Trier)
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Citation:
Michaela Maurer. Review of , „Der edle Wettkampf der Barmherzigkeit“. Konfessionen in den nord-, west- und mitteleuropäischen Sozialsystemen im langen 19. Jahrhundert.
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October, 2011.
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