Forschungsgruppe Neue Soziale Bewegungen. In Amt und Ehren? Zukunft bürgerschaftlichen Engagements. Stuttgart: Verlag Lucius & Lucius, 2000. 149 S.
Reviewed by Rudolf Martens (Europa- und Stiftungsangelegenheiten Der PARITAETISCHE Wohlfahrtsverband, Gesamtverband, Frankfurt am Main)
Published on H-Dritter-Sektor (October, 2000)
Das Forschungsjournal "Neue Soziale Bewegungen" (Juni 2000) hat in seinem Juni-Band das Thema "In Amt und Ehren? Zukunft buergerschaftlichen Engagements." gewaehlt. Auf 96 von insgesamt 149 Seiten sind Beitraege von zehn Autoren versammelt, die das Thema von vielen Seiten beleuchten; im weiteren Teil des Bandes findet sich noch eine Rezension neuerer Publikationen zum Thema "Buergerengagement".
Nicht alle zehn Beitraege koennen hier genannt oder einzeln rezensiert werden, ersatzweise liefert der Band eine Einfuehrung in das Thema sowie Zusammenfassungen aller Beitraegen (auch in Englisch). Warnfried Dettling, Publizist, sieht neue Chancen fuer das Ehrenamt und fragt sich, was die Buergergesellschaft leisten kann. Bei allen Moeglichkeiten kann die Buergergesellschaft kein Ersatz fuer den Sozialstaat sein. Trotz vieler Untersuchungen in der juengsten Zeit, blenden viele Veroeffentlichungen die unterschiedliche Bedeutung des Ehrenamtes fuer Frauen und Maenner aus; darauf weist uns Gisela Notz hin, Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Frauen sind ueberwiegend im Sozial- und Gesundheitsbereich engagiert, Maenner arbeiten ehrenamtlich mehrheitlich im politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich. Kurt Beck, Ministerpraesident von Rheinland-Pfalz, kommt als (Partei-)Politiker zu erstaunlichen Resultaten: "Die Buergergesellschaft darf nicht als Alibiveranstaltung fuer einen reduzierten Sozialstaat erscheinen; der Staat sollte Freiraeume fuer Eigenverantwortung, aber auch fuer Mitbestimmung in oeffentlichen Belangen schaffen; der Staat und seine Verwaltungen sollen sich als Ermoeglichungsinstanzen verstehen."--"Nur zu!" moechten wir ihm zurufen, als Ministerpraesident haette Kurt Beck nicht ganz so geringe Moeglichkeiten, Verwaltungen in "Ermoeglichungsinstanzen" zu verwandeln. Ein ueberraschend grosses Ausmass des Engagement findet Helmut Klages, emeritierter Professor an der Deutschen Hochschule fuer Verwaltungswissenschaft (Speyer); er betitelt seinen Aufsatz "Die Deutschen--ein Volk von 'Ehrenaemtlern'?" Demnach betaetigen sich zwei Drittel der Deutschen ab 14 Jahren freiwillig und unentgeltlich in organisierten Zusammenhaengen ausserhalb von Beruf, Familie, Freundes- und Bekanntenkreis, ohne dabei unmittelbar eigene Erwerbsinteressen zu verfolgen--das sind ueber 40 Millionen Menschen. Fragt man nach wahrgenommenen Aufgaben und Funktionen, sind das immerhin noch ein Drittel bzw. 22 Millionen Menschen. Dennoch macht Helmut Klages ein hohes ungenutztes "Engagementpotential" aus, das zukuenftig-- durch zusaetzliche Information der OEffentlichkeit--aktiviert werden muesste. Einige Beitraege befassen sich mit der Frage, wie das buergerschaftliche Engagement gefoerdert werden kann. Fuer Adalbert Evers, Justus Liebig Universitaet/Giessen, steht in Deutschland der erforderliche organisationskulturelle Wandel allerdings noch aus. Zwei Beitraege plaedieren fuer eine staerkere Zusammenarbeit von Drittem Sektor und der Wirtschaft, erste positive Erfahrungen koennen in Grossbritannien, Holland und Daenemark studiert werden.
Insgesamt zeigt sich: In Deutschland muss von seiten der Politik, der Verwaltung aber auch der Wirtschaft noch viel getan werden, um die bestehenden Schranken zwischen den Ersten, Zweiten und Dritten Sektor zu beseitigen. Ohne eine neue "Freiwilligenkultur" ist es auf Dauer nicht moeglich, das soziale Kapital zu bilden, das eine fortgeschrittene Industrie- und wissensgesellschaft braucht. Das Forschungsjournal "Neue Soziale Bewegungen" hat mit seinem Themenband zum buergerschaftlichen Engagement den Stand der Diskussion fuer die deutschen Verhaeltnisse aufgearbeitet.
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Citation:
Rudolf Martens. Review of Bewegungen, Forschungsgruppe Neue Soziale, In Amt und Ehren? Zukunft bürgerschaftlichen Engagements.
H-Dritter-Sektor, H-Net Reviews.
October, 2000.
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