Stefan Albrecht, Jirí Malír, Ralph Melville. Die „sudetendeutsche Geschichtsschreibung“ 1918-1960: Zur Vorgeschichte und Gründung der Historischen Kommission der Sudetenländer. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2008. 301 S. ISBN 978-3-486-58374-8.
Hans Henning Hahn. Hundert Jahre sudetendeutsche Geschichte: Eine völkische Bewegung in drei Staaten. Frankfurt am Main: Peter Lang/Frankfurt, 2007. 324 S. $59.95 (broschiert), ISBN 978-3-631-55372-5.
Reviewed by Jiri Pesek (Charles University, Prague)
Published on HABSBURG (June, 2013)
Commissioned by Jonathan Kwan (University of Nottingham)
Uber die Sudetendeutschen und ihre Geschichte
Die „sudetendeutsche“ Problematik gehört traditionell zu den konfliktgeladenen Themen der deutsch-tschechischen Beziehungen, sowohl der politischen als auch--seit der Wende--der historiographischen. Die Lage und Rolle der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit und in den Jahren der NS-Besatzung der Republik, ihre Vertreibung und Zwangsaussiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg, das alles sind Themen, die seit Jahrzehnten viel Aufmerksamkeit und Arbeitskapazität der Historiker auf sich ziehen.[1] Der Beitritt der Tschechischen Republik zur EU am Anfang des 21. Jahrhunderts befreite die historiographische Beschäftigung mit dieser Problematik weitgehend von den „traditionellen“, nationalistisch geprägten Verkrustungen und gab der international angelegten Forschung somit neue Impulse.
In diesem Zusammenhang können die zwei hier vorzustellenden, höchst interessanten Tagungsbände als wichtige Basissteine für eine Neuformulierung der Paradigmen verstanden werden. Beide nähern sich der Thematik aus unterschiedlichen Richtungen: In dem aus einer internationalen Tagung zur hundertjährigen Geschichte der „sudetendeutschen“ völkischen Bewegung in Oldenburg hervorgegangenen Band unter der Herausgeberschaft Hans Henning Hahns, einem ausgewiesenen Fachmann für die Mythen- und Gedächtnisproblematik u. a. gerade bei den „Sudetendeutschen“, geht es um politische Konzepte, um die Ideologie, um wichtige Schlüsselpersonen des „Sudetendeutschtums“ und um die Hervorhebung einiger brisanter Ereignisse, beginnend im Jahre 1848 und endend in den Jahrzehnten nach 1945.[2] Der von deutschen und tschechischen Historikern gemeinsam erarbeitete Band über die „sudetendeutsche Geschichtsschreibung“ im Zeitraum 1918–1960 thematisiert hingegen die Rolle der „sudetendeutschen“ Geisteswissenschaftler als Ideologen und Programmdenker, teilweise aber wieder auch als publizistische und politische Akteure der Zwischenkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit, wobei nicht nur die Historiker, sondern alle Gründungsmitglieder der 1954 ins Leben gerufenen „Historischen Kommission der Sudetenländer“ ins Visier der Autoren gerieten.
Die „Sudetendeutschen“ werden in der allgemeinen deutschen öffentlichen Wahrnehmung als ein Bestandteil des Bundes der Vertriebenen, in Bayern auch als der „vierte Stamm Bayerns“ und in der Tschechischen Republik als ein „ewiges Gespenst“ betrachtet. Im Grunde geht es um eine deutsche Volksgruppe, die sich mit der gesamten deutschen, bis auf einen kleinen Rest aus der Tschechoslowakei nach 1945 zwangsausgesiedelten Minderheit zu identifizieren versucht und den Anspruch erhebt, diese (wiederum in ihrer Gesamtheit) zu repräsentieren. Und doch identifizierten sich nie alle in den böhmischen Ländern lebenden ethnischen Deutschen mit dieser Gruppe. Sehr viele standen gar in harter Opposition zu jener politischen Bewegung, die sich das Adjektiv „sudetendeutsch“ ins Wappen geschrieben hatte. Dieses Wort symbolisierte nämlich das Völkische, das Antisemitische, das Antidemokratische, das Antirepublikanische innerhalb der sehr heterogenen deutschen Minderheitenpolitik in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit (1918-1939).
In dem Oldenburger Tagungsband eröffnet der Herausgeber, nach einer eher allgemein informativen Einleitung und einem Erinnerungsbeitrag (Kurt Nelhiebel), die Reihe der Aufsätze mit einer Studie über die Anfänge des völkischen Diskurses in der Paulskirche 1848, also für eine Zeit, in der „von den völkischen und postvölkischen Autoren des 20. Jahrhunderts“ traditionell der Beginn des so genannten Volkstumskampfes in Böhmen angesetzt wird. Der Autor untersucht die damaligen Diskussionen zu Böhmen und den (abwesenden) Tschechen und stellt fest, dass schon in jener Zeit unter den Abgeordneten „die Stigmatisierung derjenigen Mitglieder der eigenen Nation, die sich nicht des völkischen Diskurses bedienten“ (u. a. als eine klare Kampfansage gegen sie), ebenso wie verschiedene anti-intellektuelle Ausfälle zu eben jenem Diskurs gehörten. Hahn sucht die Gründe für die Kontinuität und Ausdauer dieser Stereotype in der ganzen zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Böhmen und verortet sie in der deutsch-nationalen „Identitätssuche einer Gesellschaft, die weder in einem Land mit klaren Grenzen lebt noch weiß, ob sie eine oder mehrere Gesellschaften ist“, in einer Gegenbewegung zum vorherrschenden staatsrechtlichen Diskurs in den böhmischen Ländern bzw. in einer Reaktion auf das Ergebnis des Reichsgründungsprozesses von 1866/71.
Unter den weiteren Beiträgen, von denen der Aufsatz von Jiri Koralka über Georg Ritter von Schönerer und die alldeutsche Bewegung in den böhmischen Ländern hervorzuheben ist, nimmt die große (S. 91–143) Studie von Eva Hahn über Rudolf Jung und weitere, vergessene sudetendeutsche Vorläufer und Mitstreiter Hitlers eine besondere Position ein. Jung, ein ideologischer Wegbereiter Hitlers, hatte schon 1919 ein Buch zum Thema „Der nationale Sozialismus. Eine Erläuterung seiner Grundlagen und Ziele“ publiziert, ein Werk, das in den folgenden zwanzig Jahren in mehreren Ausgaben erschien. Eva Hahn analysiert die darin formulierten Konzepte Jungs, teilweise im Vergleich mit Hitlers „Mein Kampf“, und untersucht ihre Wirkung unter den tschechoslowakischen Deutschen. Ihr Urteil: „Unter den Sudetendeutschen war der Nationalsozialismus sogar populärer als in Deutschland“ (S. 115) basiert schließlich auf den Wahlergebnissen der DNSAP und ihrer Nachfolgerin, der Sudetendeutschen Partei, in der Tschechoslowakei in den Jahren 1933-1945. Die Autorin erinnert den Leser ferner daran, dass „seit 1931 die DNSAP von der NSDAP auch formal als ein Teil der Gesamtpartei betrachtet wurde“ (S. 110), und kommt zu dem Befund, „dass die sudetendeutschen Nationalsozialisten nicht aus Verzweiflung angesichts der vermeintlichen Benachteiligung in der Tschechoslowakei in Adolf Hitler ihren Führer und Befreier fanden. Vielmehr sahen sie sich zu Recht als Pioniere der NS-Bewegung“ (S. 118). Die Rolle Jungs, der weder die von ihm so definierten „Awarensprößlinge“ Tschechen noch die Juden leiden konnte, war für beide Milieus (das Deutsche Reich wie die Tschechoslowakei) vor allem eine ideologische. Die Umsetzung seiner Ideen übernahmen dann jüngere und organisatorisch tatkräftigere Parteifreunde.
Ingo Haar untersucht anschließend sehr gründlich--und wie immer sehr zugespitzt--die Tätigkeit und die radikale ideologische Entwicklung des deutsch-katholischen akademischen Milieus am Beispiel des Professors der Prager Deutschen Universität Eduard Winter und seines Schülers Eugen Lemberg. Winter gehörte (gemeinsam mit seinen Universitätskollegen Heinz Zatschek und Anton Ernstberger) seit 1942 zu dem engeren Kreis der Anhänger des profiliertesten Prager NS-Historikers, „Heydrichs Professor“ Hans Joachim Beyer.[3] Insofern überrascht Haars These nicht, dass es Winter und seinen Schülern schon in der Zwischenkriegszeit langfristig darum gegangen sei, „die Nationalitätenkonflikte in der CSR nicht nur zu beobachten, sondern zuzuspitzen, die Staatlichkeit der CSR nicht nur in Frage zu stellen, sondern auch eine Alternative dazu aufzuzeigen“ (S. 228).
Von den weiteren, überwiegend hoch interessanten Beiträgen (Roland Smelser beschäftigt sich beispielsweise mit der Transformation der Sudetendeutschen Heimatfront in die Sudetendeutsche Partei in den Jahren 1933–38) sollte hier mindestens noch der Aufsatz von Werner Röhr über den von Hitler initiierten und unterstützten Aufstand des Sudetendeutschen Freikorps gegen den tschechoslowakischen Staat im September 1938 hervorgehoben werden. Dieser ist nämlich der einzige Beitrag des Bandes, der sich intensiv und konkret mit der drastisch-praktischen Umsetzung der mentalen, ideologischen und politischen Entwicklungen der „Sudetendeutschen“ beschäftigt.[4] Die von Röhr untersuchten 240 Kampfeinsätze von 41 Bataillons des insgesamt 34 500 Mann starken Freikorps gegen die militärischen wie auch zivilen Stützpunkte und Institutionen im Grenzgebiet der Republik Röhr zeigen das kriegsähnliche Ausmaß dieser Attacken. Der Abschlussbericht des Vertreters der Wehrmacht bei dem Freikorps, so der Autor, mache „deutlich, dass die Aktionen des SFG keine militärische Funktion erfüllten, sondern Terrorakte waren“ (S. 258).
Die Beiträge des Bandes sind bezüglich der völkisch-sudetendeutschen Richtung der deutsch-böhmischen Politik gezielt scharf bis kompromisslos formuliert, dabei allerdings gut recherchiert und sehr informativ. Sie bilden somit eine neue Grundlage für die kritische Erforschung und Diskussion dieser bis heute nicht vollständig historisierten Problematik.
Der Band über die „sudetendeutsche Geschichtsschreibung“ 1918-1960 nimmt eine andere Perspektive auf die „sudetendeutsche“ Problematik ein. Die heutige „Historische Kommission für die böhmischen Länder“ wollte ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum im Jahre 2004 als Impuls zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Gründergeneration der Kommission und ihren Geschichtskonzepten nutzen. Diese Intention muss auch im Kontext des aktuellen, besonders nach dem deutschen Historikertag von 1998 stark gewachsenen, deutschen wie tschechischen Interesses für die moderne deutsche und deutsch-böhmische Geschichtsschreibung gesehen werden.[5] Ralph Melville charakterisierte als Thema und Ziel der Tagung (S. X), „sich mit den Konzepten der 'Volks- und Kulturbodenforschung' der 'sudetendeutschen' Geschichts- und ihrer Nachbarwissenschaften als einem eigenem Feld der deutschen 'Ostforschung' auseinanderzusetzen und nach ihrer Indienststellung in den 'Volkstumskampf' der Zwischenkriegszeit und während der NS-Herrschaft im 'Protektorat Böhmen und Mähren' und im 'Reichsgau Sudetenland' zu fragen.“ Dabei ging es auch um das Verhältnis von ideologischen und fachwissenschaftlichen Positionen, die Beziehung dieser Historikergemeinde zur tschechischen Geschichtsforschung und um das Weiterwirken der sudetendeutschen Netzwerke in der bundesdeutschen Historiographie der Nachkriegszeit. Im Folgenden werde ich mich vor allem auf die Beiträge über die im Kontext der betrachteten Zeit wichtigeren, nämlich den Diskurs prägenden Historiker konzentrieren, von denen allerdings nicht alle auch Gründungsmitglieder der Kommission waren.
Stephan Dolezel analysiert in seinem Einführungsbeitrag die Anfänge der Historischen Kommission. Ihre „Väter“ charakterisiert er als ehemalige, hoch engagierte Nationalsozialisten (besonders der--nach dem plötzlichen Tode von Rudolf Schreiber--eigentliche Gründungsvorsitzende Kurt Oberdorffer, in den Jahren 1943-45 Stellvertreter Konrad Henleins und SS-Mann, tat sich in diesem Kontext hervor). Thema des Beitrags sind aber auch die politischen Kontexte der Gründung der Kommission, u. a. in Verbindung mit der Gründung des Collegium Carolinum in München (1956) und des Herder-Instituts in Marburg (1950), als Basis für eine neu konzipierte bundesrepublikanische Ostforschung.
Der Beitrag von Pavel Kolar beschäftigt sich am Beispiel der Briefe und Texte der Kommissionsmitglieder A. Ernstberger, Th. Mayer, R. Schreiber und H. Zatschek mit der „Katastrophenverarbeitung und Kontinuitätssicherung“ der ehemaligen Prager deutschen Historiker nach 1945. Die Ausblendung der historischen Ursachen und der eigenen Mitschuld an ihrer aktuellen schwierigen Lage kompensierten diese Männer mit allgemeinen Klagen über die Härte des Schicksals, der Epoche und der „Katastrophe des Jahres 1945“. In diesem Sinne waren sie also „ganz normale Deutsche“ ihrer Zeit.
Der wertvolle Aufsatz von Reto Heinzel über Theodor Mayer und seinen Weg von der Volkstumswissenschaft zum Konstanzer Arbeitskreis öffnet die Erforschung der wissenschaftlichen und ideologischen Tätigkeit bzw. der Karriere einer zentralen Persönlichkeit der NS-Geschichtswissenschaft, welche zwar in der Nachkriegszeit nicht mehr den Weg zurück an die Universität fand, jedoch trotzdem eine hoch einflussreiche Position innerhalb der bundesdeutschen Historiographie innehatte.[6] Mayers, auf der Theorie des deutschen Kulturträgertums basierende Betrachtung der Geschichte des „deutschen Bodens“ entwickelte sich in den Kriegsjahren zu einem komplexen, interdisziplinären, gesamtdeutschen Konzept und, in einem weiteren Schritt, zu einem Konzept der Geschichte eines von den Deutschen geführten Europas. Heinzel zeigt, dass Mayer an dieser Auffassung auch in den Nachkriegsjahrzehnten kaum etwas veränderte.
Miroslav Kunstat widmet im Kontext der „sudetendeutschen“ Kirchengeschichte seine kritische Aufmerksamkeit einer der größten, für die NS-Epoche ebenso wie später für die DDR-Historiographie der 1950er und 1960er Jahre prägenden, Persönlichkeiten: dem bereits erwähnten Prager, nach dem Krieg Hallenser und schließlich, von 1951 bis 1966, Ost-Berliner Professor Eduard Winter. Jiri Nemec lässt sich dagegen in seinem Beitrag über den Prager Kreis um Winter durch diesen ideenreichen und produktiven, allerdings im moralischen Sinne mehr als pragmatischen NS-Historiker zu sehr begeistern. Da die beiden Aufsätze nur engere und thematisch spezialisierte Felder betrachten, sind sie in ihrem Gesamturteil über Winter im Vergleich mit der Studie von Ingo Haar im ersten hier besprochenen Band auch allgemein weniger vernichtend.
Der Beitrag von Nina Lohmann über ‚Heimat und Volk‘ im Werk der anerkannten Zentralfigur der Geschichtswissenschaft an der Prager Deutschen Universität der 1930er und 1940er Jahre, Prof. Wilhelm Wostry, stützt sich auf eine große Studie der Autorin über diesen Historiker, der lange--bis zur deutschen Besatzung der Tschechoslowakei--zwischen der sudetendeutschen und der tschechischen Geschichtschreibung zu balancieren wusste.[7] Dieser landesgeschichtlich konservativ orientierte, hoch loyale Mitläufer der Nationalsozialisten unterschied sich nach Meinung der Verfasserin von der Mehrheit seiner Kollegen und Schüler dadurch, dass er nach 1945 doch bereit und im Stande war, die NS-Epoche zu reflektieren.
Die weiteren von insgesamt 13 Beiträgen (ergänzt durch eine von K. Erik Franzen und Helena Perinova zusammengestellte Beilage mit Biogrammen aller 39 Gründungsmitglieder der Kommission) sind den mit der Historiographie benachbarten, in der Kommission vertretenen Fächern und ihren Repräsentanten gewidmet.[8] Insgesamt bietet der Band ein wertvolles Panorama von Einblicken nicht nur in die Zeit und Situation der Gründung der Kommission, sondern präsentiert auch die längere Entwicklung der deutsch-nationalen Linie der akademischen Geschichtsschreibung bzw. ihrer Nebenfächer und ihrer markanten Persönlichkeiten in den böhmischen Ländern seit der Gründung der Tschechoslowakei 1918 bis in die 1950er Jahre, dann freilich im bundesdeutschen oder auch ostdeutschen „Exil“.
Beide Bände--wie bei Tagungsbänden üblich--sind in ihrer thematischen Zusammensetzung etwas heterogen, dafür aber hoch inspirativ und wegweisend für die weitere Forschung. Sie zeigen klar, dass den Profil gebenden Persönlichkeiten der „sudetendeutschen“ Bewegung (Politikern und Ideologen ebenso wie den mehr oder weniger kooperierenden Wissenschaftlern), ihren Schriften und Konzepten wesentlich mehr Aufmerksamkeit als bisher gewidmet werden müsste und dass man auch die tradierten Stationen der Ereignisgeschichte der deutschen Minderheit in den böhmischen Ländern in breitere--auch internationale--Kontexte der Zeit einbetten und vor allem komparativ in Bezug zu der deutschen Geschichte bzw. Geschichte der deutschen Minderheiten in den verschiedenen europäischen Ländern setzen sollte. Beide Bänder räumen mit der Selbstinszenierung der völkischen, politischen und intellektuellen Repräsentanten des „Sudetendeutschtums“ als Opfer grundsätzlich auf. Es wäre jetzt interessant, in einem nächsten Schritt auch über die Betrachtung des „Sudetendeutschtums“ durch die „anderen“ Deutschen von beiden Seiten der deutsch-tschechoslowakischen Grenze, durch die jüdischen und letztendlich auch die tschechischen Bürger der Ersten Tschechoslowakischen Republik zu diskutieren. Nicht weniger wichtig bleibt die Erforschung der Rolle der vertriebenen „Sudetendeutschen“ und ihres Ideenguts bei der Gestaltung der politischen Kultur der Bundesrepublik.[9]
Notes
[1]. Vergleiche: Jan Kren, Vaclav Kural, Detlef Brandes, Integration oder Ausgrenzung. Deutsche und Tschechen 1890-1945 (Bremen: Donat und Temmen, 1986); Detlef Brandes, Vaclav Kural, eds., Der Weg in die Katastrophe. Deutsch-tschechoslowakische Beziehungen 1938-1947 (Essen: Klartext, 1994); Detlef Brandes, Der Weg zur Vertreibung 1938-1945. Pläne und Entscheidungen zum ‚Transfer‘ der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen (München: Oldenbourg, 2001); Manfred Kittel, Horst Möller, Jiri Pesek, Oldrich Tuma, Deutschsprachige Minderheiten in Europa 1945. Bilanzen eines deutsch-tschechischen Projekts (München: Internationales Institut für Nationalitätenrecht und Regionalismus, 2007).
[2]. Von den Buchveröffentlichungen Hans Henning und Eva Hahns zu diesem Themenfeld vergleiche aus den jüngsten Jahren: Hans Henning Hahn, Eva Hahn, Mythos Vertreibung: 60 Jahre deutsche Erinnerungskultur (Hamburg: Konkret Literatur, 2009); Hans Henning Hahn, Die Vertreibung im deutschen Erinnern. Legenden, Mythos, Geschichte (Paderborn: Schöningh, 2010); Hans Henning Hahn, ed.,Erinnerungskultur und Versöhnungskitsch (Marburg: Herder-Inst., 2008).
[3]. Vgl. zu ihm insbesondere: Karl Heinz Roth, „Heydrichs Professor. Historiographie des „Volkstums“ und der Massenvernichtungen: Der Fall Hans Joachim Beyer“, in Geschichtsschreibung als Legitimationswissenschaft 1918–1945, ed. Peter Schöttler (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997), 262–342.
[4]. Mit dem Sudetendeutschen Freikorps beschäftigte sich als Erster Martin Broszat, „Das Sudetendeutsche Freikorps“, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 9, no. 1 (1961): 30-49. Röhr selbst widmete dem Thema mehrere größere Studien, im Jahre 2008 erschien dann seine Monographie: Martin Broszat, September 1938: Die Sudetendeutsche Partei und ihr Freikorps (Berlin: Ed. Organon, 2008). Eine ausführliche Beschreibung der Ereignisgeschichte dieses NS-Aufstandes gegen die demokratische Republik findet sich auch in dem im gleichen Jahr erschienenen Buch von Detlef Brandes, Die Sudetendeutschen im Krisenjahr 1938 (München: Oldenbourg, 2008), 259-310.
[5]. Vergleiche: Pavel Soukup, Frantisek Smahel, eds., Nemecka medievistika v ceskych zemích do roku 1945, Die deutsche Mediävistik in den böhmischen Ländern bis zum Jahre 1945 (Praha: Filosofia 2004); Christiane Brenner, K. Erik Franzen, Peter Haslinger, Robert Luft, Geschichtsschreibung zu den böhmischen Ländern im 20. Jahrhundert. Wissenschaftstraditionen--Institutionen--Diskurse (München: Oldenbourg 2006); Monika Glettler, Alena Miskova, eds., Prager Professoren 1938-1948. Zwischen Wissenschaft und Politik (Essen: Klartext, 2001).
[6]. Zu Theodor Mayer vergleiche auch die wichtige Studie von Helmut Maurer, „Theodor Mayer (1882-1972). Sein Wirken vornehmlich während der Zeit des Nationalsozialismus“, in Österreichische Historiker 1900-1945. Lebensläufe und Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftlichen Porträts, ed. Karel Hruza (Wien et al.: Böhlau, 2008), 493-530.
[7]. Nina Lohmann, „Wilhelm Wostry und die „sudetendeutsche” Geschichtsschreibung bis 1938“, in Acta Universitatis Carolinae--Historia Universitatis Carolinae Pragensis, Tomus XLIV Fasc. 1-2 (2004): 45-145.
[8]. Eine große Lücke stellt die Absenz der Beiträge über die in den 1940er bis 1960er Jahren sehr einflussreiche Person von Kurt Oberdorffer und den prominenten Prager und Wiener nationalsozialistisch orientierten Historiker, Prof. Heinz Zatschek, dar. Zu Letzterem ist glücklicherweise inzwischen eine große Studie erschienen: Karel Hruza, „Heinz Zatscheck (1901-1965). Radikales Ordnungsdenken und gründliche zielgesteuerte Forschungsarbeit“, in Österreichische Historiker, ed. Karel Hruza, 677-792.
[9]. Vergleiche die wichtige Pionierarbeit von Tobias Weger, "Volkstumskampf" ohne Ende?: sudetendeutsche Organisationen 1945 – 1955 (Frankfurt am Main et al.: Peter Lang 2008).
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Citation:
Jiri Pesek. Review of Albrecht, Stefan; Malír, Jirí; Melville, Ralph, Die „sudetendeutsche Geschichtsschreibung“ 1918-1960: Zur Vorgeschichte und Gründung der Historischen Kommission der Sudetenländer and
Hahn, Hans Henning, Hundert Jahre sudetendeutsche Geschichte: Eine völkische Bewegung in drei Staaten.
HABSBURG, H-Net Reviews.
June, 2013.
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