Oberschwaben und die Schweiz. Biberach: Gesellschaft für Heimatpflege (Kunst- und Altertumsverein) in Stadt und Kreis Biberach e.V. in Verbindung mit dem Landkreis Biberach, 18.04.2008-19.04.2008.
Reviewed by Alfred Lutz
Published on H-Soz-u-Kult (September, 2008)
Oberschwaben und die Schweiz
Am 18. und 19. April 2008 fand in der Kundenhalle der Kreissparkasse Biberach ein prominent besetztes Vortrags- und Gesprächsforum zum Thema "Oberschwaben und die Schweiz" statt. Veranstalter war die "Gesellschaft für Heimatpflege (Kunst- und Altertumsverein) in Stadt und Landkreis Biberach e. V." in Verbindung mit dem Landkreis Biberach. Nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Biberach, Günther Wall, sprach einleitend der Vorsitzende der Gesellschaft für Heimatpflege, Otmar M. Weigele, zum Thema "Schweizer und Deutsche - zwei Mentalitäten und doch so nahe".
ANTON SCHINDLING (Tübingen) schilderte in einem Grundsatzreferat die wechselseitigen Beziehungen seit dem Schwaben- bzw. Schweizerkrieg von 1499, in dem sich die Schweizer gegen König Maximilian I. und den Schwäbischen Bund behaupten und die Habsburger endgültig aus dem Raum südlich von Bodensee und Hochrhein verdrängen konnten. Dass die Eidgenossen die Reformbeschlüsse des Wormser Reichstags von 1495 abgelehnt hatten, zeigte bereits ihre klare "Distanz gegen reichische Verdichtung" (Schindling). Nach dem Krieg von 1499 sei die Zugehörigkeit der Schweiz zum Reich nur noch eine Formalität gewesen. Die älteren Verbindungen zu Schwaben seien durch die Staatswerdung der Schweiz zwar nicht unterbunden worden, so Schindling, aber doch zurückgetreten. Die Glaubensspaltung seit den 1520er Jahren bedeutete eine schwere Belastungsprobe für den Schweizerbund. Der Zweite Kappelerkrieg von 1531, in dem der Zürcher Reformator Zwingli fiel, habe die Grenzen der Reformation in der Schweiz markiert, die sich nun konfessionell spaltete. Vor allem die "Gemeinen Herrschaften", d. h. der gemeinsame Besitz mehrerer "Orte" (Kantone) wie der Aargau und der Thurgau, hätten sich in der Folgezeit als Bruchstellen des eidgenössischen Religionsfriedens erwiesen. Diese bis ins 19. Jahrhundert andauernde Konfliktträchtigkeit habe schließlich zur Herausbildung der Prinzipien von Parität und Konkordanzdemokratie geführt. Im Mächtesystem der Frühen Neuzeit sei die Schweiz bis 1798 mit ihrer Neutralitätspolitik erfolgreich gewesen. Der Westfälische Friede brachte 1648 die formelle, völkerrechtliche Feststellung der Nichtzugehörigkeit zum Reich. In aufgeklärten deutschen Kreisen sei gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Interesse an der Schweiz und ihren Traditionen erwacht. Insbesondere Schillers "Wilhelm Tell" - eine Parabel von Freiheit und Demokratie - habe die Schweiz unter den Gebildeten auch in den deutschen Ländern populär gemacht, so Schindling. Mit dem Wiener Kongress 1814/15, der die "immerwährende Neutralität" der Schweiz garantierte, fielen auch die letzten rechtlichen Verbindungen einzelner eidgenössischer Orte zum Reich weg.
STEFAN SONDEREGGER (St. Gallen) beleuchtete die "politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit in der mittelalterlichen Bodenseeregion". Das den nördlichen und südlichen Bodenseeraum verbindende Element seien im Spätmittelalter die Städte gewesen, die - in ihrer rechtlichen und wirtschaftlichen Entwicklung oftmals ähnlich - zunächst einzeln in Beziehung traten und sich im Laufe des 14. Jahrhunderts dann in umfassenderen Bündnissen zusammenschlossen. Die Erhaltung des Landfriedens, die Bewahrung der Reichsstädte vor Übergriffen, auch die Funktion der Bündnisse als Schiedsgerichte hätten im Vordergrund dieser "organisierten, multilateralen Beziehungen" (Sonderegger) gestanden. Die Städtebünde seien für die beteiligten Partner zentrale "Kontakt- und Informationszentren" gewesen. Sonderegger wies insbesondere auch auf die bislang wenig beachtete Quellengattung der "Missiven" hin, d.h. amtliche Briefe bzw. Botengänge, die von einer Kanzlei oder Herrschaft ausgingen. Sie stellten eine "Kombination von Mündlichkeit und Schriftlichkeit" (Sonderegger) dar und belegen etwa die sehr engen Kontakte St. Gallens zu Städten wie Konstanz, Ravensburg oder Arbon.
MARCEL MAYER (St. Gallen) stellte in seinem Vortrag über die "Textilwirtschaft in der Bodenseeregion" die "Beziehungen zwischen St. Gallen und den ´überseeischen´ Gebieten" in den Mittelpunkt. In der Leinwandproduktion habe St. Gallen, nicht zuletzt bedingt durch obrigkeitlich vorgeschriebene Qualitätsstandards, im 15. Jahrhundert das von inneren Unruhen geschüttelte Konstanz überflügelt. War der exportorientierte Leinwandhandel zunächst stark in Nord-Süd-Richtung orientiert gewesen, so hätten seit dem 16. Jahrhundert auch die Kontakte mit Frankreich (vor allem Lyon) an Bedeutung gewonnen. Einen wesentlichen Einschnitt in der Leinwandproduktion habe der Dreißigjährige Krieg bedeutet, in dem die Region nördlich des Bodensees schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde; die oberschwäbischen Städte verarmten und litten in der Folgezeit unter Geldmangel. Von dieser Lage habe die vom Krieg verschonte Nordostschweiz profitieren können, deren Kaufleute die oberschwäbischen Handelshäuser nun weitgehend verdrängten. Vielfach hätten oberschwäbische Städte nun zum Beispiel bei St. Gallen um Darlehen nachgesucht. Das 18. Jahrhundert brachte Mayer zufolge in der Ostschweiz den Niedergang der Leinenindustrie, die sich nun in innerschweizerische Gebiete verlagerte; zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann die Mechanisierung der verbliebenen Flachsverarbeitung. Die Baumwollweberei, im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts zunächst in der Stadt St. Gallen, im Appenzellerland und im Toggenburg verbreitet, habe sich in den folgenden Jahrzehnten auch in den Thurgau und in Richtung Bodensee ausgedehnt; in den 1790er Jahren setzte die Mechanisierung der Baumwollspinnerei ein. Deutlich früher als die nördliche Bodenseeregion seien die Gebiete südlich des Sees von kapitalistischer Wirtschaftsweise ergriffen worden, so Mayer.
ALOIS NIEDERSTÄTTER (Bregenz) schilderte die einzelnen Stufen und Stationen des eidgenössisch-habsburgischen Antagonismus seit 1291, die militärischen Siege der Eidgenossen bis hin zum Schweizer- bzw. Schwabenkrieg von 1499 und ihre Rolle für das schweizerische Selbstverständnis und Geschichtsbewusstsein in den folgenden Jahrhunderten. Hatten sich die habsburgisch-schweizerischen Auseinandersetzungen zunächst in einiger Entfernung vom Bodenseeraum entladen, so weitete sich das Konfliktfeld mit den Appenzellerkriegen zu Beginn des 15. Jahrhunderts bis in diese Region aus. Der habsburgisch-schweizerische Gegensatz erfuhr, wie Niederstätter ausführte, im weiteren Verlauf des Jahrhunderts eine wachsende ideologische Aufladung, die Aversionen und Antipathien ("Sauschwaben", "Kuhschweizer") steigerten sich mitunter bis zum Hass. Auf den 1488 vom habsburgischen Kaiser Friedrich III. initiierten Schwäbischen Bund hätten die Reichsstädte im Bodenseeraum zunächst eher reserviert reagiert, seien sie doch "Brückenköpfe" des Handels mit der Eidgenossenschaft und im Falle einer militärischen Konfrontation direkt betroffen gewesen. Der Krieg von 1499 habe schließlich den Abschluss einer lange dauernden Entwicklung markiert. Die Grenze zur Schweiz an Bodensee und Hochrhein wurde fixiert und das faktische Ausscheiden der Eidgenossen aus dem Reich besiegelt. Allerdings seien die neuen Grenzen im Bodenseeraum durchlässig geblieben, so dass es weiterhin zahlreiche persönliche und wirtschaftliche Kontakte habe geben können.
HARM KLUETING (Fribourg/Köln) betonte die Inkompatibilität der republikanisch-demokratischen Verfassung der Eidgenossenschaft und der adelig-ständischen Gliederung des Reichs. Der Schwabenkrieg von 1499 stellte Klueting zufolge die erste Etappe der Loslösung der Schweiz vom Reich dar, aber diese Entwicklung sei noch reversibel gewesen. Erst die Ereignisse der Reformation und der katholischen Konfessionalisierung hätten die Trennung dann irreversibel gemacht. Aus der Zürcher Reformation habe sich eine theologisch-kulturell eigenständige Richtung der Reformation entwickelt. Der Protestantismus in Deutschland hingegen sei immer mehr von Wittenberg statt von Zürich geprägt worden. Die lutherische Reformation in den deutschen Ländern und die schweizerische mit ihren stärker rationalen Zügen hätten sich auf theologischer, kultureller und sozialer Ebene unterschieden, so dass aufgrund dessen der Graben zwischen der Eidgenossenschaft und dem Reich tiefer geworden sei. Auch die katholische Konfessionalisierung verlief in anderer Form als im Reich, so Klueting. Die katholische Erneuerung der sieben katholischen "Orte" sei seit 1565 durch den Erzbischof von Mailand, Carlo Borromeo, und sein Reformprogramm bewirkt worden, die Ausbildung des schweizerischen Priesternachwuchses im 1579 begründeten "Collegium Helveticum" in Mailand erfolgt; 1586 wurde die päpstliche Nuntiatur in Luzern errichtet. Die von Mailand geleitete katholische Konfessionalisierung in der Schweiz habe den Ablösungsprozess vom Reich verstärkt, so das Fazit Kluetings.
FRANZ BRENDLE (Tübingen) stellte heraus, dass die reformatorischen Einflüsse in Oberschwaben zunächst eine stark schweizerische Prägung zeigten; sie gingen von Zürich, Basel und Bern aus. In Oberschwaben habe sich jedoch ein Übergang zur Reformation aufgrund der "Kaisernähe" sehr schwierig gestaltet, auch die Nachbarschaft Bayerns und Österreichs habe hemmend gewirkt. Der oberschwäbische Adel habe sich für die katholische Konfession des habsburgischen Schutzherrn entschieden, der zudem mit lukrativen Ämtern in den Reichsbehörden bzw. am Kaiserhof sowie mit Standeserhöhungen dienen konnte; ungeachtet dessen hätten sich immer wieder einzelne Mitglieder der Häuser Fürstenberg, Zollern oder Waldburg der Reformation zugewandt. Unter dem Einfluss der schweizerischen Reformation entschieden sich Brendle zufolge allerdings zahlreiche oberschwäbische Reichsstädte für die Reformation, während sich die kleineren reichsunmittelbaren Städte der Region eher zurückhielten oder zwischen Kaisertreue und Reformation lavierten. Der Sieg Kaiser Karls V. im Schmalkaldischen Krieg habe die katholische Dominanz in Oberschwaben gefestigt. Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 hätten die Evangelischen in Oberschwaben - deren Weg nach Wittenberg, nicht nach Zürich oder Basel führte - "schlechtere Karten" gehabt und seien in die Defensive geraten, so Brendle. Am Ende des konfessionellen Zeitalters habe sich Oberschwaben mit Ausnahme einiger Reichsstädte als katholisch geprägt erwiesen und sich politisch an Vorderösterreich angelehnt.
MATTHIAS ILG (Tübingen) referierte über den aus Sigmaringen stammenden Heiligen Fidelis (Markus Roy). Der 1622 im Graubündner Bergdorf Seewis von reformierten Bauern während eines Aufstandes gegen die Habsburger und deren Rekatholisierungspolitik erschlagene Kapuzinermissionar wurde 1729 selig und 1746 heilig gesprochen. Dem Heiligen Fidelis seien schlachtentscheidende Wunder nachgesagt und Siege der katholischen Truppen zugeschrieben worden; überhaupt seien Kapuzinermönche gerne in den kaiserlich-habsburgischen Armeen gesehen worden. Das Feld der Publizistik wurde in der Folgezeit zur Forcierung des Fidelis-Kultes motiviert, so Ilg. Rom hingegen habe mitunter eine Instrumentalisierung als politischer Märtyrer durch die Habsburger befürchtet und den Kult zeitweise beschränkt. Der von den Habsburgern schließlich mit Erfolg beförderte Seligsprechungsprozess habe der "Pietas Austriaca", dieser spezifisch habsburgischen Frömmigkeitsform, entsprochen, und Vorderösterreich bzw. Vorarlberg noch enger an Habsburg-Österreich binden sollen. Die Habsburger hätten sich so als Vormauer der Christenheit in Szene gesetzt, mit Fidelis als bedeutendem Repräsentanten bei der Verteidigung des christlichen Abendlandes. In der Schweiz habe der Fidelis-Kult, der von den sieben katholischen "Orten" unter Führung Luzerns forciert worden sei, zur Verhärtung der konfessionellen Trennlinien beigetragen. Andererseits habe er die katholische Innerschweiz mit Vorderösterreich verbunden.
THOMAS LAU (Fribourg) thematisierte das Verhältnis zwischen schwäbischen und eidgenössischen Dichtern. Die Konflikte des Spätmittelalters seien im Gedächtnis verankert und stets abrufbar gewesen im Wettstreit um Reputation, aber aus Ernst sei zunehmend ein "Spiel zweier Konkurrenten" geworden, so Lau. Es hätten sich neue Felder der wechselseitigen Beeinflussung, des Kulturtransfers, ergeben, aber selbst im 15. und 16. Jahrhundert seien bei allem Trennenden die Bezüge auf Gemeinsames durchaus präsent gewesen. Die Abgrenzung der Eidgenossen zu Schwaben sei pointiert, jene zu den "Germanen" hingegen unsicher gewesen. Im 17. Jahrhundert wurde dann die Abgrenzung entlang der Konfessionslinien deutlicher, so Lau. Die katholischen "Orte" der Innerschweiz hätten den Kaiser mitunter als Garanten gegen die übermächtigen reformierten Gegner gesehen. Auch hätten sich die katholischen Innerschweizer als Teil der deutschen Kirchennation begriffen. In eidgenössischen Stücken aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sei die Schweiz, wie Lau darlegte, mitunter als Glied einer von Gott geschaffenen deutschen Nation betrachtet worden, neben den Schwaben und Franken zum Beispiel. In der katholischen Innerschweiz habe das Bekenntnis zu "Helvetia" und "Germania" keinen Widerspruch, sondern eine Ergänzung dargestellt. Diese Haltung sei allerdings im reformierten Teil der Schweiz auf wenig Gegenliebe gestoßen. In den deutschen Reichsständen habe sich der Blick auf die Eidgenossen zu wandeln begonnen; sie seien nun mehr und mehr als "gutmütige, aber wilde Bauern" gesehen worden. Zunehmend wurde die Klugheit der Schweizer bewundert, ihr Gemeinwesen durch eine Politik der Neutralität aus Kriegen herauszuhalten, so Lau. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts hätten die schweizerischen Dichter nach engen Kontakten zu ihren deutschen Kollegen gestrebt. In der schweizerischen Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts sei jedoch immer wieder deutlich gemacht worden, dass eine zentrale Eigenschaft die Schweizer von den Deutschen trennte: "Sie sind frei im Sinne eines Völkerrechtssubjekts, ein Teil der republikanischen Staatengemeinschaft" (Lau).
FRANK GÖTTMANN (Paderborn) schloss die Vortragsreihe mit einem Referat über "Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Oberschwaben und der Schweiz in vorindustrieller Zeit" ab. Bereits im Spätmittelalter - dies hätte nicht zuletzt die Große Ravensburger Handelsgesellschaft (um 1380-1530) mit zahlreichen Teilhabern auch aus der Schweiz gezeigt - sei der Warenhandel der Träger regionaler Verflechtungen gewesen. Für den direkten Ein- und Verkauf der Gesellschaft habe die Schweiz weniger große Bedeutung gehabt, um so mehr jedoch als Transit- und Vermittlungsraum nach Italien und Spanien. Im 17. und 18. Jahrhundert, als die oberschwäbische Textilproduktion gegenüber dem nordostschweizerischen Raum zurückblieb, habe die Region im Wesentlichen nur noch Zulieferfunktionen gehabt. Die räumliche Verflechtung sei in dieser Zeit von Schweizer Aufkäufern bzw. Webern verkörpert worden, die oberschwäbisches Rohleinen bzw. Garn erwarben.
Aufgrund der seit dem 17. Jahrhundert schneller als im nördlichen Bodenseeraum wachsenden Bevölkerungszahl sei die Ostschweiz immer stärker auf Getreideimporte aus Oberschwaben angewiesen gewesen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts habe ein Drittel des Getreideverbrauchs der Schweiz importiert werden müssen; dies habe für Schwaben als der "Frucht- und Kornkammer der Eidgenossenschaft" einen "ungeheueren Geldzufluss" (Göttmann) erbracht. Wirtschaftlich und demographisch seien die Regionen nördlich und südlich des Bodensees "komplementär zueinander" (Göttmann) gewesen. Die Schweiz habe nach Norden Vieh und Milchprodukte exportiert und sei nicht zuletzt ein bedeutender Kapitaldarlehensgeber gewesen. Immer wieder seien jedoch von den oberschwäbischen Kleinherrschaften, den vorderösterreichischen Behörden oder vom Schwäbischen Kreis Ausfuhrbeschränkungen erlassen worden. Dadurch sollte Göttmann zufolge die Versorgung der eigenen Bevölkerung gesichert und somit auch die Legitimation der jeweiligen Herrschaft gestärkt werden. Vor allem die oberschwäbischen Klöster seien jedoch für ein Offenhalten der Getreideausfuhren gewesen - das dadurch in die Region fließende Kapital habe die barocke Baukonjunktur ermöglicht und die eigene Herrschaft gesichert-, während die Städte vielfach versucht hätten, ihre Garnmärkte gegen schweizerische Aufkäufer abzuschotten.
Facettenreich wurden in den neun Vorträgen die Gemeinsamkeiten Oberschwabens und der benachbarten Schweiz - beides territorialgeschichtlich wiederum vielgestaltige Räume - aus verfassungs-, wirtschafts-, konfessions- und literaturhistorischem Blickwinkel herausgearbeitet, auf der anderen Seite aber auch deren Verschiedenartigkeit, bedingt durch die unterschiedliche geschichtliche Entwicklung und Identität sowie die jeweiligen spezifischen Strukturen, deutlich gemacht. Das vom früheren Biberacher Kreisarchivdirektor Dr. Kurt Diemer lebendig moderierte, ertragreiche Vortrags- und Gesprächsforum - 2006 war bereits ein Symposium zum Thema "Oberschwaben, Österreich und das Reich" vorausgegangen - hat bei historisch Interessierten grossen Anklang gefunden.
Kurzübersicht
Vortrags- und Gesprächsforum der Gesellschaft für Heimatpflege (Kunst- und Altertumsverein) in Stadt und Kreis Biberach e.V. in Verbindung mit dem Landkreis Biberach am 18./19. April 2008 in der Kundenhalle der Kreissparkasse Biberach
Anton Schindling, Tübingen: "Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und die Schweiz von Kaiser Maximilian I. bis Friedrich Schiller"
Stefan Sonderegger, St. Gallen: "Politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit in der mittelalterlichen Bodenseeregion. Städtebünde und Güteraustausch um den See"
Marcel Mayer, St. Gallen: "Textilwirtschaft in der Bodenseeregion. Die Beziehungen zwischen St. Gallen und den ´überseeischen´ Gebieten"
Alois Niederstätter, Bregenz: "Habsburg oder Eidgenossenschaft. Politische und mentale Orientierungen im Spätmittelalter"
Harm Klueting, Fribourg/Köln: "Schwabenkrieg - Zürcher Reformation - reformierte und katholische Konfessionalisierung: Die Separation der Eidgenossenschaft vom Reich im 15. bis 17. Jahrhundert"
Franz Brendle, Tübingen: "Zwischen Wittenberg, Zürich und Straßburg. Das evangelische Oberschwaben"
Matthias Ilg, Tübingen: "Der Heilige Fidelis von Sigmaringen. Leben, Martyrium und Verehrung zwischen Schwaben und der Schweiz"
Thomas Lau, Fribourg: "Französischer Tand und teutsche Reinheit - eidgenössische und schwäbische Dichter im Dialog am Ende des 17. Jahrhunderts"
Frank Göttmann, Paderborn: "Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Oberschwaben und der Schweiz in vorindustrieller Zeit"
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Citation:
Alfred Lutz. Review of , Oberschwaben und die Schweiz.
H-Soz-u-Kult, H-Net Reviews.
September, 2008.
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