Ins Ausland? – Möglichkeiten für Promovierende und Promovierte. Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, 08.09.2006.
Reviewed by Johannes Moes
Published on H-Soz-u-Kult (January, 2007)
Ins Ausland? – Möglichkeiten für Promovierende und Promovierte
Rhetorisch sind sich darüber alle Akteure im Wissenschaftssystem einig: Zur Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchs soll auch der zeitweilige Gang ins Ausland gehören. Warum geht trotzdem nur eine Minderheit der Nachwuchswissenschaftler/ innen ins Ausland? Welche Fördermöglichkeiten für Auslandsaufenthalte sich Promovierenden oder „Post-Docs“ speziell in den Sozial- und Geisteswissenschaften bieten, wo Barrieren zu verorten sind und wie diese abgebaut werden können – dieses waren Themen eines WZB-Workshops am 8. November 2006, der sich lebhaften Zuspruchs erfreute. Über 150 Anmeldungen und eine intensive Diskussion mit Vertreter/ innen der wichtigsten Förderorganisationen und der zahlreichen Berliner Promotionsprogramme belegten die Aktualität des Themas.
Organisiert und moderiert wurde er von Dagmar Simon und Johannes Moes, am WZB mit der abteilungsübergreifenden Nachwuchsförderung befasst. In seiner Begrüßung betonte WZB Präsident Jürgen Kocka die Verantwortung des WZB für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Wissenschaft sei seit jeher genuin international, und wachse auch heute weiter zusammen, wie man am Aufbau des ‚Europäischen Forschungsraums’ beobachten könne. In dieser Situation sei wichtig, Rat zu geben, wann und mit welchem Ziel sich Auslandsaufenthalte in die Qualifizierungsphase einpassen lassen.
Informationen zum Status Quo lieferte Dagmar Simon in ihrem Eingangsstatement. Nach den Zahlen der Förderorganisationen wurden im Jahr 2004 2.700 Auslandsaufenthalte gefördert, nicht unbedingt viel angesichts von 23.000 Promotionen im selben Jahr. Aus Studien wird deutlich, dass die individuelle Mobilitätsneigung stark von entsprechenden Erfahrungen auf der zurückliegenden Qualifizierungsstufe abhängt: wer im Studium im Ausland war, geht auch während der Promotion wieder. Auf die Sozialwissenschaften entfallen auf der Ebene der Promovierenden mit 27 Prozent der Geförderten ein beträchtlicher Anteil (Naturwissenschaften 31 Prozent). Bei den geförderten Auslandsaufenthalten von Promovierten aber sinkt ihr Anteil auf 19 Prozent (gegenüber 45 Prozent in den Naturwissenschaften). Dies wirft die Frage auf: Müssen für die Mobilität des sozial- und geisteswissenschaftlichen Nachwuchses besondere Förderbedingungen geschaffen werden?
Ihre Förderpolitik erläuterten im ersten Panel die Vertreter/ innen der wichtigsten Förderorganisationen. Birgit Klüsener stellte die Programme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) vor, der die meisten Auslandsaufenthalte fördert. Gisela Janetzke, stellvertretende Generalsekretärin, präsentierte das Förderkonzept der Alexander von Humboldt-Stiftung. Da hier eine Förderung von Kontakten zu Alumni der „Humboldt-Familie“ abhängig ist, unter denen bislang die Sozialwissenschaften wenig repräsentiert sind, dürfte der Anteil der Sozialwissenschaften kurzfristig kaum steigen. Die Runde wurde komplettiert von Charlotte Securius-Carr (Fulbright Kommission), Dagmar Meyer (Marie-Curie- Maßnahmen der EU) sowie Hans-Peter Tuliszka (Deutsche Forschungsgemeinschaft).
Raum für die individuellen Fragen der Teilnehmer/ innen bot der anschließende Mittagsimbiss. Durch das zusätzliche Angebot, mit einigen Wissenschaftler/ innen des WZB ins Gespräch zu kommen, die ihre eigenen Auslandserfahrungen zur Diskussion stellten, wurde der Austausch in kleinen Gesprächsgruppen fortgesetzt.
In der abschließenden Diskussion am Nachmittag wurde die wissenschaftspolitische Frage behandelt, welche Hilfestellung Forschungseinrichtungen wie das WZB oder die Universitäten für die Mobilität des Nachwuchses geben müssen. Johannes Moes eröffnete als Moderator die Debatte mit der Frage, was denn im Einzelnen mit Mobilität gemeint sei angesichts des breiten Spektrums vom Besuch internationaler Konferenzen bis zur Abwanderung akademischer Arbeitskräfte. Auch stellte er die Frage der Verantwortung einzelner Akteure (wie Dienstvorgesetzten, Institutsleitungen, Gesetzgeber) für die Behebung von Mobilitätsbarrieren zur Diskussion.
Seine vielfältige Erfahrung sowohl mit dem WZB als auch ausländischen Wissenschaftssystemen nutzte Arndt Sorge für pointierte Beobachtungen zur Wirkung von Auslandsaufenthalten als ‚Expatriierung’: Sie nützen laut Sorge vor allem der ‚Entschlackung’ des eigenen wissenschaftlichen Denkens. Georg Meran stellte als Vizepräsident die Perspektive des Deutschen Instituts für Wirtschaft, Ursula Hans als Leiterin der Abteilung Internationales der Humboldt Universität die Perspektive der Universitäten dar. Sie formulierte als Zielvorstellung, einen Auslandsaufenthalt in jede Qualifikationsphase zu integrieren, betonte aber auch Hindernisse wie fehlende Sprachkenntnisse oder den Zeitdruck der neuen Studiengänge.
Die Interessen der Nachwuchswissenschaftler/ innen wurden auf dem Podium von Sandra Bohlinger (EURODOC und THESIS) und Sonja Grimm als Sprecherin der WZB-Nachwuchswissenschaftler/ innen vertreten. Letztere forderte ganz konkrete Hilfestellungen seitens des WZB, um die Mobilität der eigenen Nachwuchswissenschaftler/ innen zu erhöhen. Die abschließende Diskussion machte offensichtlich, dass es zu einer verbesserten Mobilitätsstrategie für den wissenschaftlichen Nachwuchs noch der Überwindung vieler Hindernisse bedarf. Nichtsdestotrotz wird sich das WZB als eines der größten europäischen sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute dieser Herausforderung stellen.
Dieser Bericht erscheint in leicht veränderter Form in den WZB-Mitteilungen 114, Dezember 2006 (vgl. http://www.wz-berlin.de/publikation/wzb-mitteilungen.de.htm)
Weitere Informationen im Internet unter http://wz-berlin.de/wzb/nawi.
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Citation:
Johannes Moes. Review of , Ins Ausland? – Möglichkeiten für Promovierende und Promovierte.
H-Soz-u-Kult, H-Net Reviews.
January, 2007.
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