Politik im lebensweltlichen Feld. Salzburg: Univ. Prof. Dr. Hanns Haas, Dr. Ewald Hiebl, 07.11.2003-08.11.2003.
Reviewed by Ewald Hiebl
Published on H-Soz-u-Kult (April, 2004)
Politik im lebensweltlichen Feld
Am 7. und 8. November 2003 fand an der Universität Salzburg eine internationale Tagung zum Thema "Politik im lebensweltlichen Feld" statt. Veranstalter waren Univ. Prof. Dr. Hanns Haas und Dr. Ewald Hiebl.
Ziel der Tagung war es, die Verortung und Verarbeitung allgemeiner politischer Diskurse im lebensweltlichen Bereich zu analysieren und zu vergleichen. Politik wurde dabei verstanden als ein importiertes Deutungssystem und Partizipationsmodell im lebensweltlichen Feld, die jedoch funktional und sinnstiftend in der Lebenswelt integriert wird. Gegenstand der Tagung war es, diese Verortung der Politik im Alltag und in den Sinnkonventionen überschaubarer sozialer Beziehungsnetze eines Dorfes, Stadtviertels, einer Kleinregion oder sonst wie räumlich-zeitlich abgegrenzter Sozialgruppen, etwa einer Fabrik, einer Schule oder einer Alterskohorte zu untersuchen.
Welche Normvorgaben immer Politik anvisiert, sie muss sich in den örtlichen Verhältnissen gleichsam einnisten, indem sie bestimmte soziale Konstellationen und Meinungsbilder besetzt bzw. neu konnotiert. Das politische Deutungs- und Organisationsangebot muss im lebensweltlichen Kontext Sinn vermitteln oder versprechen, nur so kann es sich etablieren. Vor allem dieser Sinngebung im lebensweltlichen Kontext widmete sich die Tagung.
Ethnikum und Nation in der dörflichen Lebenswelt
Die Vorträge der ersten Sektion gruppierten sich um den Themenbereich "Ethnikum und Nation in der dörflichen Lebenswelt", der im Zentrum der Tagung stand. Veronika Hofinger (Opava, Tschechische Republik) definierte in ihrem Vortrag Kulturlandschaft als "Lebenswelt zum Anfassen". Kulturlandschaften seien geprägt durch menschliches Denken und Handeln in Form von ökonomischen Tätigkeiten, Methoden der Lebensbewältigung, Aneignung der Umwelt und Interpretationen der Welt und somit immer auf zwei Ebenen zu analysieren, nämlich der materiellen und der wahrnehmungsbezogenen, ideellen Ebene. Am Beispiel des "Waldhufendorfs" Pelhrimovy/Mährisch Pilgersdorf (Mährisch-Schlesien/Severomoravský kraj) wurde diese These verdeutlicht. Die deutschsprachige Bevölkerung des Dorfes wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und durch Neusiedler ersetzt, die jedoch auf tschechoslowakischer Seite zum größten Teil nach einigen Jahren zur Abwanderung genötigt wurden. Bis auf zwei bewohnte Häuser ist Pelhrimovy/Mährisch Pilgersdorf heute eine Wüstung.
Jiri Franc (Vyšší Brod, Tschechische Republik und Salzburg, Österreich) stellte im nächsten Vortrag seine Forschungen über die südböhmische Stadtgemeinde Vyšší Brod/Hohenfurth im Zeitraum von 1918 bis 1946 vor. Sowohl die ethnische Ebene (deutschsprachige, jüdische und tschechischsprachige Bevölkerung, tschechische und österreichische Staatsbürger), als auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Fragestellungen wurden behandelt. Außerdem stand die Frage nach der Funktion eines verwaltungspolitischen, kulturellen und ökonomischen Zentrums im Kontext der Region, die von zahlreichen kleinen Dorfgemeinden bestimmt wurde, im Mittelpunkt des Interesses von Jiri Franc.
Györgyi Bindorffer (Budapest, Ungarn) präsentierte Ergebnisse ihrer Studien zur alltäglichen Lebenswelt der Ungarndeutschen im Spannungsfeld zweier Interaktionsfelder: Das eine ist der Bereich, in dem sich die Ungarndeutschen mit den derselben Minderheit angehörigen deutschen Mitmenschen verständigen, das andere ist der größere Bereich der Nation. Dieser doppelte "lebensweltliche Hintergrund dient jedem einzelnen als Basis, um Situationsdefinitionen vornehmen zu können". Die ethnische Wirklichkeit, besser gesagt, die Beibehaltung dieser ethnischen Wirklichkeit, die durch das Bestreben nach Überleben zum Ausdruck kommt, erfordert eine andere Strategie als das nationale Bekenntnis. Der ethnische Situationskontext ist durch die Dissimilation determiniert, während der nationale Kontext vielmehr durch die Assimilation geprägt ist.
Jindrich Schwippel (Praha, Tschechische Republik) widmete sich dem Dorf Rottenschachen/Rapšach im "Vitorázsko". Die Wirkkraft des Ethnischen und das Eindringen der Nation in die dörfliche Lebenswelt standen im Mittelpunkt seiner Ausführungen, die sich auf zahlreiche mikrohistorische Quellen stützten.
Martin Markel (Brno, Tschechische Republik) befasste sich mit der Entstehung der modernen örtlichen Politik in der Kleinstadt Jaroslavice/Joslowitz in Südmähren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: von den als "gegenobrigkeitlich" formulierten Protesten des Jahres 1848 über die konstitutionelle Ära nach 1861 und das Eindringen liberaler Gedanken in die städtische Lebenswelt bis zur Entstehung und Ausdifferenzierung der politischen Lager, vor allem der Katholisch-Konservativen und der Deutschnationalen ab den 1890er Jahren.
Peter Mähner (Altenburg und Wien, Österreich) präsentierte in seinem Vortrag zur "Lebenswelt Grenze" die Ergebnisse eines internationalen Forschungsprojekts über die Wirkkraft von Ethnikum und Nation in den Lebenswelten ausgewählter Dörfer an der österreichisch-tschechischen Grenze in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei zeigte sich, dass die Lebenswelt Dorf gegenüber dem importierten Deutungssystem der Nation eine erstaunliche Resistenz bewies. Erst ab den ausgehenden 1930er Jahren konnte der Nationalismus die Lebenseinheit Dorf "kolonisieren".
Oswald Überegger (Innsbruck, Österreich) beschäftigte sich mit der Flucht als politisch-nationalem Deutungskonstrukt und präsentierte (kriegs-)lebensweltliche Fluchtmotive Trentiner Deserteure im Ersten Weltkrieg zwischen politisch-militärischer Deutungszuschreibung und retrospektiver Politisierung. Die Bedeutung, die der politisch-nationale (Kriegs-)Diskurs für die Fluchtentscheidung der Angehörigen einer italienisch-nationalen Minderheit im regionalen Kontext spielte, wurde in dialektisch aufeinander bezogenen Dimensionen von Sinndeutungen untersucht: in infiltrierten propagandistischen Sinndeutungen ebenso wie in parallel oder nachträglich (historiographisch wie politisch) zugeschriebenen Sinndeutungen und realiter individuell vorhandenen Sinndeutungen.
Ernst Langthaler (St. Pölten, Österreich) untersuchte die Formierung kollektiver Identitäten in der Frühphase der österreichischen Zweiten Republik am Beispiel einer kleinen niederösterreichischen Gemeinde im Zeitraum von 1945 bis 1960 und zeigte, dass Vorstellungen von nationaler und lokaler "Gemeinschaft" in enger Wechselbeziehung soziokulturell konstruiert werden. Solche lokal-nationalen Identitätsentwürfe werden etwa im Rahmen öffentlicher Feste zwischen dörflichen Eliten sowie Personen und Gruppen der Dorfbevölkerung verhandelt. Sie ziehen imaginäre Grenzen zwischen "uns" und "ihnen", zwischen den Angehörigen einer "Gemeinschaft" und den Außenstehenden.
Bettina Gartner (Brunico/Bruneck, Italien) betrachtete "Politik im lebensweltlichen Umfeld" am Beispiel der beiden Kleinstädte: Bruneck (Italien) und Weißenburg (Frankreich) in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. So versuchte der italienische Faschismus seine Nationalisierungspolitik mit Gewalt durchzusetzen, während in Frankreich unter den Vorzeichen demokratischer Grundwerte agiert wurde. Doch die lebensweltliche Betrachtung zeigte, dass es zwar innerhalb der totalitären Diktatur individuelle Handlungsspielräume gab, aber auch demokratische Aktionsmöglichkeiten ihre Grenzen hatten. Mehr als die jeweiligen Umsetzungsformen war jedoch die Tatsache entscheidend, wie die lokale Bevölkerung die politischen Ziele wahrnahm, bewertete und sich zu eigen machte. Schlussendlich musste sich nicht nur die Kleinstadt den neuen Gegebenheiten anpassen. Auch die "Nation" war teilweise gezwungen, die örtlichen Gesetzmäßigkeiten zu berücksichtigen, um ihre Vorstellungen zu verwirklichen.
Doris Gödl (Salzburg, Österreich) beschäftigte sich mit politischen Transformationsprozessen unter Druck. Sie untersuchte kollektive und individuelle Deutungsstrukturen einer "ethnisierten Politik" am Beispiel von Kroatien und Bosnien im ausgehenden 20. Jahrhundert. Als Quellenbasis dienten Interviews mit Frauen und Männern, die auf individuellen Erinnerungen an die Vergangenheit, die Wahrnehmung der beginnenden politischen Transformation, die Erfahrungen des Krieges, die Einschätzung der Gegenwart sowie die Erwartungen an die Zukunft fokussiert waren. Gödl versuchte u. a. eine Dynamisierung des Konzepts von "Ethnizität", wobei dem "Narzißmus der kleinsten Differenz" eine besondere Aufmerksamkeit zukommt. Durch diese Dynamisierung kann der Begriff "Ethnizität" auch als Handlungsstruktur von Individuen verstanden werden.
Helga Embacher (Salzburg, Österreich) schloss mit ihrem Vortrag über die Lebenswelt palästinensischer Immigranten im London der 1950er und 1960er Jahre den Themenbereich "Ethnizität und Nation" ab. Sie zeigte die Bildung eines palästinensischen Nationalbewusstseins in Golders Green, einem vornehmlich von akkulturierten Juden bewohnten Stadtteil von London, und stellte fest, dass Vertreibung und Gründung des Staates Israel noch wenig Einfluss auf das Zusammenleben zwischen den beiden ethnischen Gruppen hatten, die zu diesem Zeitpunkt primär um ihre Integration in die britische Gesellschaft bemüht waren. Erst die Nahost-Kriege von 1956 und 1967 führten zur Bildung eines palästinensischen Bewusstseins in der Diaspora, das auch von den Emigranten angenommen und in die eigene Lebenswelt integriert wurde.
Die erste Sektion "Ethnikum und Nation in der dörflichen Lebenswelt" untersuchte die Implantierung der Nation in dörfliche und kleinstädtische Sozialgeflechte an mährischen, böhmischen, kroatischen, französischen, italienischen, österreichischen und anderen Beispielen. Das Ergebnis war überraschend. Alle diese Mikrowelten dokumentierten ihren eigenwilligen Umgang mit den beiden Deutungssystemen von Politik und lebensweltlichem Alltagswissen, sei es durch situative und zeitliche Umgrenzung ihres jeweiligen Geltungsbereiches, sei es durch Interferenzen kultureller Ausdruckssysteme zur Bewältigung komplexer Koordinationsaufgaben. Die mikrogeschichtlich orientierten Untersuchungen bewiesen einmal mehr die Bedeutung der Berücksichtigung lebensweltlicher Rahmenbedingungen für die Durchsetzung von nationalen Ideen und Vorstellungen ethnischer Homogenität im alltäglichen Lebenskontext.
"Soziale Räume" und Gruppenerfahrungen
Die zweite Sektion stellte "'Soziale Räume' und Gruppenerfahrungen" in den Mittelpunkt des Interesses. Robert Luft (München, BRD) referierte über adelige Politik zwischen kleinregionaler Vernetzung und europäischen Verwandtschaftsbeziehungen. Der mährische Adel im späten 19. Jahrhundert stand im Mittelpunkt seiner Überlegungen, die auch eine lebensweltliche Verortung eines neuen Politikverständnisses beinhalteten.
Jirí Šouša (Praha, Tschechische Republik) beschäftigte sich in seinem Vortrag mit "der Welt des tschechischen Bauern und deren Veränderungen im 19. Jahrhundert" und präsentierte exemplarisch den Lebensstil eines tschechischen Bauern im 19. Jahrhundert, sowohl im Alltag als auch an den Feiertagen. J. A. Prokupek und seine Familie wurden als Modellbeispiel einer sozialen Schicht von Bauern verstanden, welche die Elite des böhmischen Dorfes bildete. Traditionelle Werte wie Arbeitsamkeit und Wirtschaftlichkeit, Ehrlichkeit oder Familie wurden ergänzt durch die Akzeptanz der Bedeutung der Wissenschaft und förderten dadurch einen breiteren Horizont, der auch das Verständnis der Wichtigkeit von Politik zur Durchsetzung der Interessen des Bauernstandes und der böhmischen Landbevölkerung mit sich brachte.
Mirjam Triendl (München, BRD) widmete sich in ihrem Vortrag über "Jewish Spaces" der Ent/Ver/ortung des Politischen in den Badeorten Karlsbad, Marienbad und Franzensbad. Ökonomische Interessensgemeinschaften machten es sich zum Ziel, das erfundene Paradies zu erhalten und konstituierten zu diesem Zweck ungewöhnliche deutsche - deutsch-jüdische Allianzen. Den Hintergrund dafür bildet ein ambivalentes Selbstverständnis, das politische und soziale Differenzen ins vermeintlich Unsichtbare zwingt, sich gleichzeitig aber im Zentrum des eskalierenden deutsch-tschechischen Nationalitätenkonflikts verortet. Wesentlich ist, dass diese Allianz deutschsprachiger Minoritäten nicht nur im Vielvölkerstaat der Habsburgermonarchie legitimierbar ist, sondern aus ökonomischen Interessen auch nach 1918 bestehen bleiben muss. Allerdings begannen in der Zwischenkriegszeit kulturelle und biologistische Rassismen auf Umwegen den weiterhin scheinbar politikfreien Kuralltag zu strukturieren.
Thomas Hellmuth (Linz, Österreich) behandelte in seinem Vortrag die Lebenswelten der Weinbauern in Morey St. Denis im Burgund. Er stellte die traditionelle geschlossene Lebenswelt, die über Vererbung von kulturellen Praktiken und Deutungsmustern auch eine Art Habitus generierte, den Veränderungen durch die Moderne gegenüber, vor allem den Auswirkungen der Globalisierung, die sich im traditionellen Milieu der Weinbauern bemerkbar machten.
Heike van Hoorn (Wetzlar, BRD) widmete sich der Geschichte der sudetendeutschen Antifa-Umsiedler im brandenburgischen Dorf Zinna/Neuheim nach 1945. Diese Umsiedler hatten aufgrund einer Vereinbarung zwischen den Parteiführungen der tschechischen und deutschen Kommunisten das "Privileg", unter Mitnahme eines großen Teils ihres beweglichen Besitzes in speziellen Transporten in die SBZ überführt zu werden. Die Antifaschisten sollten die schwachen Kader der dortigen Arbeiterbewegung verstärken und auf dem Lande, wo die KPD/SED traditionell schwach vertreten war, die Position der Partei stärken. Für das Gelingen einer solchen Strategie war jedoch eine Reihe von Voraussetzungen unabdingbar: Zum einen mussten die Antifa-Umsiedler die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen, also aufgrund ihrer mentalen sowie politisch-ideologischen Voraussetzungen die Parteiziele verkörpern können. Zum anderen setzte eine Beeinflussung der Landbevölkerung gegenseitige Akzeptanz und eine erfolgreich verlaufende Integration der Fremden voraus.
Die zweite Sektion über "'Soziale Räume' und Gruppenerfahrungen" zeigte Lebenswelt als Ort zugleich freiwilliger und erzwungener Sinnkonvention, wie konstruierte Orte (Umsiedlerdorf Dorf Zinna/Neuheim) und temporäre Orte (das sommerlich religionstolerante Karlbad und sein Gegenbild, das winterliche antisemitische Karlsbad) zeigten. Die lebensweltliche Kohärenz umschloss in diesen Fällen einen engen Kreis von identisch Deklarierten und eliminierte die in der topographischen Nähe lebenden Nachbarn als Fremde. Politik diente hier zur sozialen Destabilisierung räumlicher Lebenswelt.
Vernetzt in die große weite Welt
Die dritte Sektion widmete sich unter dem Titel "Vernetzt in die große weite Welt" den vielfältigen Verbindungen zwischen Lebenswelt und Außenraum. Lukás Fasora (Brno, Tschechische Republik) zeigte dies am Beispiel der dörflichen Lebenswelt von Jundrov/Jundorf (Südmähren) zwischen 1890 und 1918. Immer stärker wurde in dieser Zeit der Einfluss des nahen Brünn auf die dörfliche Lebenswelt, durch die Entdeckung als begehrte Wohngegend und als Ausflugsort am Wochenende ebenso wie durch die Modernisierung und den Zuzug von Arbeitskräften. Die sozialen Veränderungen waren auch ethnisch konnotiert. Das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen prägte einerseits die Kluft zwischen dem tschechischem Lebensstil und jenem der deutschen Neuankömmlinge und andererseits die stille Bewunderung deutschen Reichtums von tschechischer Seite. Radikalismus wurde aber - anders als später - noch durch persönliche Kontakte mit den deutschen Nachbarn, die der Gemeinde behilflich waren, und durch eine für beide Seiten profitable wirtschaftliche Zusammenarbeit gemildert.
Ewald Hiebl (Salzburg, Österreich) beschäftigte sich in seinem Vortrag über "Öffentlicher Diskurs und Medien im Kleinraum 1870-1945" mit dem Einfluss der Massenmedien auf die Veränderung lokaler und regionaler Lebenswelten. Er stellte anhand mehrerer Lokalstudien die Einwirkungen verschiedener Massenmedien (v. a. Zeitungen, Kino, Hörfunk) auf die dörflichen Kommunikationsstrukturen dar und zeigte, wie dadurch Konflikte um die Entmachtung der traditionellen Eliten (Pfarrer, Lehrer etc.) durch neue "importierte" Deutungsmuster entstanden. Außerdem wurde der Beitrag der Massenmedien zur "Modernisierung" kultureller Ausdrucksformen und Wertesysteme behandelt.
Franz Pötscher (Gutau, Österreich) widmete seinen Vortrag der Geschichte Mauthausens (Oberösterreich) und des dort befindlichen Konzentrationslagers. Er zeigte, wie die Ortsbewohner im Nationalsozialismus dem Lager und der damit einhergehenden Verbindung zur "großen" Politik und den Verbrechen des Nationalsozialismus begegneten und wie die Veränderungen im Markt rezipiert und verarbeitet wurden. Auch der Umgang Mauthausens mit dem historischen Erbe nach 1945 wurde behandelt. Noch immer stellt dieser Einbruch der großen Politik in die lokale Lebenswelt ein Problem für die Identität des Ortes dar.
Die dritte Sektion verortete die überschaubaren Lebenswelten "in die große weite Welt" und verwies auf Kontaktbrücken von Medien und politischen Diskursen mit der Nation und dem Globus. Es zeigte sich, dass im späten 19. und im 20. Jahrhundert die herkömmlichen Raumgrenzen von Lebenswelt und (politischer) Außenwelt zu zerfließen begannen. Die explizit politischen Orientierungen sind von den implizit politisch wirkenden schwer zu separieren, jede Kleingruppe und jedes Individuum muss sich nun selbst "zwischen Kirchturmdenken und Globalisierung" verorten.
Die Beiträge der Tagung werden - ergänzt durch andere Arbeiten - im Jahr 2005 als Sammelband erscheinen. Außerdem planen die Veranstalter, das Thema durch ein groß angelegtes Forschungsprojekt systematisch und international zu untersuchen.
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Citation:
Ewald Hiebl. Review of , Politik im lebensweltlichen Feld.
H-Soz-u-Kult, H-Net Reviews.
April, 2004.
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